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Thema der Woche 16. KW 2011

 

Ladendiebstahl: Motivierte Mitarbeiter sind der beste Schutz!

von Kirstin von Elm, Fachjournalistin für Wirtschaftsthemen, Mönkeberg

Unehrliche Kunden kosten deutsche Einzelhändler viel Geld. Jährlich verursachen sie Inventurdifferenzen von knapp zwei Milliarden Euro, meldet das EuroHandelsinstitut EHI in Köln. Rein statistisch gesehen stiehlt also jeder deutsche Haushalt Waren im Wert von über 50 Euro pro Jahr. Bildlich ausgedrückt: Jeder 200ste Einkaufswagen rollt an der Kasse vorbei, ohne bezahlt zu werden, so das EHI.

Die offizielle Polizeiliche Kriminalstatistik gibt dabei leider kaum Anlass zur Entwarnung: Danach ist die Zahl der gemeldeten Ladendiebstähle in den letzten Jahren zwar leicht zurückgegangen. Doch angesichts der überaus hohen Dunkelziffer ist das nur ein schwacher Trost. Nach Schätzungen der Handelsverbände bleiben pro Jahr rund 30 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt, das entspricht 100.000 Delikten pro Verkaufstag.

Zum Warenverlust kommen noch erhebliche Ausgaben für den Einsatz von speziellem Sicherheitspersonal (Detektive, Wachdienst) oder technischen Sicherungsmaßnahmen wie Überwachungskameras, elektronische oder mechanische Warensicherungssysteme (Ketten, Leinensicherung). Nach Angaben des EHI investiert der Handel hierfür jährlich rund 0,4 Prozent vom Umsatz. Insgesamt gehen durch Diebstahl und Sicherungskosten rund ein Prozent vom Umsatz verloren - angesichts knapper Handelsmargen gerade in mittelständischen Betrieben ein empfindlicher Verlust.

Auf die Mitarbeiter kommt es an: Wachsame Mitarbeiter sind technischen Sicherungsmaßnahmen in der Regel überlegen, wenn es darum geht Ladendiebstähle zu verhindern. Investitionen in Sicherheitstechnik lohnen zudem erst dann so richtig, wenn die eigenen Mitarbeiter auch sicher und souverän im Umgang mit entdeckten Langfingern sind. Regelmäßige Trainings sind deshalb dringend zu empfehlen. Wichtige Verhaltensregeln sollten am besten schriftlich niedergelegt und regelmäßig besprochen werden. Dazu gehört insbesondere:

  • Sprechen Sie den Verdächtigen ruhig, sachlich und bestimmt an, dabei stets höflich bleiben. („Bitte folgen Sie mir kurz…“).
  • Vermeiden Sie peinliche Diskussionen in der Öffentlichkeit, bringen Sie den Verdächtigen statt dessen zur weiteren Klärung ins Büro.
  • Denken Sie an Ihre eigene Sicherheit. Wenn möglich holen Sie einen Kollegen zur Hilfe, bevor Sie einen Dieb stellen, insbesondere wenn Sie den Eindruck haben, dass es sich um einen Profi/eine Bande handelt oder der Verdächtige unter Alkohol/Drogen steht.
  • Wappnen Sie sich für etwaige Fluchtversuche. Vorsicht, wenn der Verdächtige plötzlich nach Gegenständen (zum Schlagen, Stechen) greift. Gehen Sie nicht vor, sondern besser ca. einen Meter hinter ihm her. Checken Sie dabei den eingeschlagenen Weg auf Flucht-/Angriffsmöglichkeiten.
  • Spätestens im Büro müssen Sie einen weiteren Kollegen dazu holen – zum Eigenschutz und zur Beweissicherung. Achtung: Ein männlicher Angestellter sollte niemals mit einer Ladendiebin allein sein (Verdacht der sexuellen Belästigung)!
  • Vermeiden Sie Provokationen oder unnötige Drohkulissen, um gefährliche Wut- und Panikreaktionen zu vermeiden.

Tipp: Kostenlose professionelle Beratung zum sicheren Umgang mit Ladendieben, erteilen die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen. Sinnvoll sind auch regelmäßige Trainings für das Verkaufs- und Kassenpersonal mit Profis (Wachdienste, Detekteien). Adressen der nächstgelegenen Beratungsstellen unter www.polizei-beratung.de.