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Thema der Woche 17. KW 2011

Der Kniff mit der doppelten Haushaltsführung

von Christian Ollick, Dipl.-Finanzwirt (FH)

Mobilität ist in der heutigen Arbeitswelt nicht mehr wegzudenken. Arbeitnehmer müssen häufig lange Anfahrten zu ihrer Arbeitsstätte in Kauf nehmen. Liegen Wohnort und Arbeit aber allzu weit auseinander, hilft auch das Pendeln nicht mehr. Dann ist eine Zweitwohnung am Beschäftigungsort häufig die einzige Möglichkeit, um Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren. Für diese sog. doppelte Haushaltsführung gewährt das Finanzamt einen breitgefächerten Werbungskostenabzug.

Um eine doppelte Haushaltsführung nach den Regelungen des Einkommensteuergesetzes (§ 9 Abs. 1 Nr. 5 Satz 2 EStG) zu begründen, muss der Arbeitnehmer über zwei Wohnungen verfügen: Eine erste Wohnung, die den Mittelpunkt seines Lebensinteresses bildet (z.B. der Familienwohnsitz) und eine Zweitwohnung, die er außerhalb dieses Ortes an seinem Beschäftigungsort bewohnt. Das Beziehen der Zweitwohnung muss beruflich veranlasst sein (z.B. aufgrund einer Versetzung, Antritt einer neuen Arbeitsstelle).

Wegzugsfälle sind auch begünstigt

Der BFH erkennt eine doppelte Haushaltsführung neuerdings auch an, wenn der Arbeitnehmer seinen Hauptwohnsitz aus privaten Gründen von seinem Beschäftigungsort wegverlegt, gleichzeitig aber am Beschäftigungsort einen Zweitwohnsitz beibehält (siehe BFH-Urteile vom 05.03.2009 - VI R 58/06 undVI R 23/07). Ob der Arbeitnehmer seinen Zweitwohnsitz in der ursprünglichen (Erst-)Wohnung einrichtet oder in neuen Räumlichkeiten, ist nicht maßgeblich.

Warum lohnt sich eine doppelte Haushaltsführung?

Wird die doppelte Haushaltsführung vom Finanzamt anerkannt, kann der Arbeitnehmer zahlreiche Aufwendungen als Werbungskosten abziehen. Zu den abziehbaren Kosten zählen:

a) Kosten der ersten und letzten Fahrt

Hierunter fallen die Fahrtkosten aus Anlass des Wohnungswechsels, die zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung anfallen (bei Wohnungsbezug und Wohnungsaufgabe). Der Arbeitnehmer darf 0,30 EUR pro gefahrenen Kilometer ansetzen, sofern er mit seinem Pkw fährt.

b) Kosten für Familienheimfahrten

Absetzbar sind auch die Kosten für eine wöchentliche Fahrt zum Familienwohnsitz (sog. Familienheimfahrt). Anders als unter Punkt a) akzeptiert das Finanzamt hier nur den Ansatz der von 0,30 EUR pro Entfernungskilometer (d.h. nur eine Wegstrecke ist abziehbar). Fahrten mit dem Dienstwagen dürfen jedoch überhaupt nicht angesetzt werden. Für Flugstrecken kann der Arbeitnehmer die tatsächlichen Kosten ansetzen. Fährt der Arbeitnehmer in einer Woche einmal nicht nach Hause, kann er stattdessen die Gebühren für ein Ferngespräch geltend machen.

Ein Werbungskostenabzug besteht auch, wenn sich der Arbeitnehmer am Beschäftigungsort von seinem Ehegatten besuchen lässt. Die Fahrtkosten für diese sog. umgekehrte Familienheimfahrt dürfen jedoch nur angesetzt werden, wenn der besuchte Ehegatten aus beruflichen Gründen am Ort seines Zweitwohnsitzes bleiben muss.

c) Verpflegungsmehraufwendungen

Für die ersten drei Monate nach dem Bezug der Zweitwohnung darf der Arbeitnehmer Verpflegungsmehraufwendungen abziehen. Für jeden Tag, an dem er ganztägig seinem Familienwohnsitz fernbleibt (i.d.R. ein Arbeitstag), kann er pauschal 24 EUR als Werbungskosten geltend machen. An den Tagen, an denen er zwischen seinen Wohnsitzen hin- und herpendelt, staffelt sich der Pauschbetrag nach der Abwesenheitsdauer von seinem Familienwohnsitz: Ist er mindestens 14 Stunden von seinem Familienwohnsitz abwesend, beträgt der Pauschbetrag 12 EUR. Ist er mindestens acht Stunden von seinem Familienwohnsitz abwesend, darf er einen Tagessatz von 6 EUR ansetzen.

Beispiel: Der Arbeitnehmer verlässt am Freitag seinen Beschäftigungsort und erreicht seinen Familienwohnsitz um 16 Uhr. Da er mindestens 14 Stunden von seinem Familienwohnsitz abwesend war (von 0 bis 16 Uhr), darf er einen Pauschbetrag von 12 EUR ansetzen.

d) Kosten der Zweitwohnung

Hierunter fallen die tatsächlichen Kosten für die Zweitwohnung, die der Arbeitnehmer nachweisen kann. Die größten Posten bilden in der Regel die Kaltmiete und die Nebenkosten (z.B. Strom, Gas, Wasser). Auch die Zweitwohnungssteuer und etwaige Reinigungskosten (z.B. für die Putzfrau) dürfen hier angesetzt werden.

Das Finanzamt akzeptiert den Abzug der Kosten allerdings nur, sofern sie angemessen sind. Als angemessen stuft das Finanzamt nur die Kosten für eine 60-qm-Wohnung ein. Bewohnt der Arbeitnehmer eine größere Wohnung, werden ihm die Unterkunftskosten anteilig gekürzt. Das Finanzamt lässt sich nicht mit dem Argument umstimmen, dass bei der Wohnungssuche ein Mangel an kleineren Wohnungen herrschte oder die Wohnungssuche besonders eilte.

e) Umzugskosten

Hierunter fallen die tatsächlichen Umzugskosten, die wegen der Begründung und der Beendigung der doppelten Haushaltsführung entstanden sind (z.B. Spediteurkosten). Der Arbeitnehmer sollte auf jeden Fall alle Quittungen aufbewahren, um die Kosten später beim Finanzamt glaubhaft machen zu können.

Eintragungen in der Einkommensteuererklärung 2010

Die Aufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung sollte der Arbeitnehmer auf der dritten Seite der Anlage N in den Zeilen 61 bis 79 eintragen. Wenn das Vordruckmuster nicht genügend Platz für eine übersichtliche Darstellung bietet, akzeptiert das Finanzamt meist auch "freihändige" Berechnungen. In diesem Fall sollte der Arbeitnehmer aber zumindest die Summe der Kosten in die Zeile 78 eintragen und auf die beigefügten Aufstellungen verweisen.

Praxistipp: Auch beim Bestehen einer doppelten Haushaltsführung kann der Arbeitnehmer für seine täglichen Fahrten vom Zweitwohnsitz zur regelmäßigen Arbeitsstätte die Entfernungspauschale geltend machen. Die Fahrten trägt er auf der zweiten Seite der Anlage N in den Zeilen 31 bis 40 ein.

Fazit:

Eine doppelte Haushaltsführung ermöglicht einen vielfältigen Werbungskostenabzug. Insbesondere durch die Wohnungsmiete und die Nebenkosten kommen schnell Aufwendungen von etlichen tausend Euro pro Jahr zusammen. Der Arbeitnehmer sollte von Anfang an darauf achten, dass er den Ablauf der doppelten Haushaltsführung genau dokumentiert und notwendige Rechnungen und Nachweise für die spätere Steuererklärung aufbewahrt.