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Thema der Woche 19. KW 2011

Dienstwagenfahrten zur Arbeit: Geldwerter Vorteil lässt sich mindern

von Christian Ollick, Dipl.-Finanzwirt (FH)

Darf der Arbeitnehmer seinen Dienstwagen auch für Fahrten zur Arbeit nutzen, erhöhte sich sein geldwerter Vorteil bisher pauschal um einen 0,03-%igen Zuschlag für jeden Monat der Nutzungsmöglichkeit. Der Bundesfinanzhof erlaubt nun eine günstigere Berechnung und berücksichtigt nur die tatsächlich durchgeführten Fahrten (BFH, 22.09.2010 - VI R 57/09). Wie Sie von der Rechtsprechung profitieren, lesen Sie im folgenden Beitrag.

Ausgangslage: Bloße Nutzungsmöglichkeit maßgebend

Wird die private Nutzung eines Dienstwagens nach der 1-%-Regelung versteuert, sieht das Einkommensteuergesetz eine Erhöhung des geldwerten Vorteils vor, wenn der Arbeitnehmer das Fahrzeug auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen kann (§ 8 Abs. 2 S. 3 EStG). Der Erhöhungsbetrag für die Pendlerfahrten beträgt 0,03 % des Kfz-Bruttolistenpreises für jeden Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Arbeitsstätte und wird für jeden Kalendermonat angesetzt, in dem der Arbeitnehmer die Nutzungsmöglichkeit hat.

Beispiel: Der angestellte Versicherungsvertreter A kann seinen Dienstwagen im Jahr 2010 ganzjährig auch für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nutzen. Der Bruttolistenpreis des Fahrzeugs beträgt 40.000 EUR. Die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beträgt 12 Kilometer.

Lösung: Der Arbeitgeber berechnet in den Lohnabrechnungen zunächst einen geldwerten Vorteil für die private Firmenwagennutzung von 1 % des Bruttolistenpreises:

                        12 Monate x 1 % x 40.000 EUR = 4.800 EUR

Für die Möglichkeit, den Firmenwagen für die Fahrten zur Arbeit zu nutzen, erhöht sich dieser Zuschlag wie folgt:

                        12 Monate x 0,03 % x 40.000 EUR x 12 Kilometer = 1.728 EUR

Insgesamt beträgt der geldwerte Vorteil für das Jahr 2010 also 6.528 EUR. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 % zahlt der Arbeitnehmer für die Firmenwagennutzung somit Steuern von 1.958 EUR.

Bundesfinanzhof lässt günstigere Berechnung zu

Seit Jahren schon spricht sich der Bundesfinanzhof gegen diese pauschale Erhöhung aus, die bereits bei reiner Nutzungsmöglichkeit greift. Stattdessen machen die Richter die Höhe des Zuschlags von der tatsächlichen Nutzung des Firmenwagens abhängig. In einem Urteil aus dem vergangenen Jahr (BFH, 22.09.2010 - VI R 57/09) haben die Richter am BFH die Reisekostennachweise eines Arbeitnehmers anerkannt, aus denen eine jährlichen Dienstwagennutzung für nur 100 Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte hervorging. Der BFH berechnete den Zuschlag für die einzelnen Fahrten entsprechend mit 0,002 % des Listenpreises je Entfernungskilometer. Auf das vorgenannte Beispiel hat diese Rechtsprechung folgende Auswirkung:

Beispiel (Abwandlung): Der Arbeitnehmer A macht geltend, dass er seinen Firmenwagen tatsächlich nur an 100 Tagen für die Fahrten zur Arbeit genutzt hat.

Lösung: Der Zuschlag für die Nutzung für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte berechnet sich wie folgt:

                        100 Fahrten x 0,002 % x 40.000 EUR x 12 Kilometer = 960 EUR

Der geldwerte Vorteil für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte wird somit nur um 960 EUR anstatt mit 1.728 EUR erhöht. Bei einem Grenzsteuersatz von 30 % kann der Arbeitnehmer seine Steuerlast somit um 230,40 EUR herabsetzen (30 % von 768 EUR).

Finanzämter akzeptieren die günstigere Rechtsprechung

Mit BMF-Schreiben vom 01.04.2011 (IV C 5 – S 2334/08/10010) gibt das Bundesfinanzministerium grünes Licht für die Anwendung der BFH-Rechtsprechung. Die Finanzämter wenden die Rechtsprechung in allen offenen Fällen an.

Der Arbeitgeber darf den Zuschlag im Lohnsteuerabzugsverfahren entweder weiterhin nach der 0,03-%-Methode ermitteln oder alternativ eine Einzelbewertung der tatsächlich durchgeführten Fahrten mit 0,002 % vornehmen. Die Einzelbewertung setzt jedoch voraus, dass der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber jeden Monat erklärt, an welchen Tagen er den Dienstwagen tatsächlich für Pendlerfahrten genutzt hat.

Wahlrecht in der Einkommensteuererklärung nutzen

Eine praxisgerechtere Methode, um von der günstigen BFH-Rechtsprechung zu profitieren, stellt das Bundesfinanzministerium in Randziffer 14 seines Verwaltungsschreibens dar. Die Methode umfasst folgende Schritte:

  • Schritt 1: Der Arbeitgeber hält in der Lohnabrechnung zunächst weiter an der pauschalen 0,03-%-Methode fest. Dies hat den Vorteil, dass er die tatsächlich durchgeführten Fahrten nicht aufwendig ermitteln muss.
  • Schritt 2: Am Ende des Jahres beantragt der Arbeitnehmer in seiner Einkommensteuererklärung den Wechsel zur Einzelbewertung der Fahrten mit 0,002 %. Hierfür muss der Arbeitnehmer dem Finanzamt für jeden genutzten Dienstwagen glaubhaft machen, an welchen Tagen (mit Datumsangabe) er das Fahrzeug tatsächlich für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte genutzt hat.

Praxistipp: Es empfiehlt sich, bereits während des Jahres sorgfältig Notizen über die Fahrten zur Arbeit zu machen. In einem Terminkalender kann beispielsweise eingetragen werden, mit welchem Verkehrsmittel die Arbeitsstätte erreicht wurde. Zudem muss der Arbeitnehmer dem Finanzamt darlegen, in welcher Höhe der Arbeitgeber den Zuschlag nach der 0,03-%-Methode berechnet hat. Als Nachweis dient z.B. eine Gehaltsabrechnung. Alternativ kann der Arbeitnehmer eine formlose Bescheinigung des Arbeitgebers über die Anwendung der 0,03 %-Besteuerung einreichen.

  • Schritt 3: Erkennt das Finanzamt die vorgelegten Unterlagen an, setzt es den geldwerten Vorteil entsprechend herab. In der Folge muss der Arbeitnehmer einen geringeren Arbeitslohn versteuern, als der Arbeitgeber in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen hat. Die zu viel gezahlte Lohnsteuer wird vom Finanzamt schließlich erstattet.

Fazit:

Die BFH-Rechtsprechung eröffnet ein neues Steuersparmodell, das nun auch von den Finanzämtern anerkannt wird. Macht sich der Arbeitnehmer die Mühe, die tatsächlich durchgeführten Fahrten zu dokumentieren, kann er seine Einkommensteuerlast leicht um ein paar hundert Euro pro Jahr mindern.