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Thema der Woche 21. KW 2011

In guter Gesellschaft: Welche Rechtsform ist die beste?

von Kirstin von Elm, Fachjournalistin für Wirtschaftsthemen, Mönkeberg

Sobald zwei oder mehr Personen gemeinsam unternehmerisch tätig werden, bilden sie automatisch eine Gesellschaft. Das ist gerade Gründern und Kleinunternehmen oft gar nicht bewusst. Auch Einzelpersonen haben die Wahl zwischen verschiedenen Rechtsformen. Die Entscheidung sollte nicht dem Zufall überlassen werden.

Die Rechtsform eines Unternehmens hat wichtige Konsequenzen zum Beispiel in punkto Haftung, Steuern oder Firmierung. Nicht nur bei der Gründung steht diese wichtige Frage an. Zu Beginn wird nämlich oft eine Rechtsform gewählt, die mit möglichst wenig bürokratischem Aufwand und mit geringem Kapitaleinsatz verbunden ist. Später treten jedoch andere Aspekte in den Vordergrund, beispielsweise Haftungsfragen, Entscheidungsbefugnisse, die Aufnahme zusätzlicher Kapitalgeber oder die steuerliche Anrechenbarkeit von Verlusten. Der folgende Kurzüberblick kann als Entscheidungsgrundlage herangezogen werden, wenn eine Rechtsform gewählt oder geändert werden soll.

Das gilt für Einzelpersonen:

Sobald Sie allein ein Geschäft eröffnen – egal ob als Gewerbetreibender oder freiberuflich (z.B.  Arzt, Anwalt, Unternehmensberater) – führen Sie ein Einzelunternehmen.

Vorteil: Die Gründungsformalitäten beschränken sich auf die Anmeldung des Gewerbes beim Gewerbeamt (Gewerbetreibende) bzw. das Beantragen einer Steuernummer beim Finanzamt (Freiberufler). Ob zusätzlich ein Eintrag im Handelsregister erforderlich ist, hängt von Art und Umfang des Geschäftsbetriebs ab. Mit dem Handelsregistereintrag gelten Sie als Kaufmann/Kauffrau und unterliegen den Vorschriften des Handelsrechts. Dafür können Sie aber auch einen Firmennamen eintragen und schützen lassen.

Nachteil: Als Einzelunternehmer haften Sie voll mit Ihrem privaten Vermögen für die geschäftlichen Verbindlichkeiten.

Wer die Haftung auf ein Gesellschaftsvermögen begrenzen will, kann alternativ eine Ein-Personen-GmbH gründen. Weiterer Pluspunkt: Die GmbH ist rechtsfähig und kann eigenständige Geschäfte abschließen, beispielsweise Grundstücke oder Unternehmensanteile kaufen. Steuerliche Vorteile ergeben sich, weil die GmbH stille Reserven bilden darf, anstatt Gewinne voll auszuschütten. Der Körperschaftssteuersatz liegt meist unter dem persönlichen, progressiv ansteigenden Einkommensteuersatz.

Nachteil: Für die GmbH ist ein Startkapital von mindestens 25 000 € (als Bar- oder Sacheinlage) erforderlich, außerdem ein notariell beurkundeter Gesellschaftervertrag. Jede GmbH muss zudem gemäß Handelsgesetzbuch (HGB)  ihre Bücher führen und Bilanzen erstellen. Das bringt einen nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand und Kosten mit sich.

Das gilt für mehrere Personen:

Wenn Sie zu zweit unternehmerisch tätig werden und nichts anderes vereinbaren, entsteht automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Ein schriftlicher Gesellschaftervertrag ist nicht zwingend vorgeschrieben, allerdings dringend zu empfehlen. Hauptmanko der GbR ist: Alle Gesellschafter haften gesamtschuldnerisch mit ihrem Privatvermögen. Sie müssen also ggf. auch für Fehler und Verbindlichkeiten ihrer Geschäftspartner einstehen. Beschlüsse müssen zudem stets einstimmig gefasst werden. Der Gesamtumsatz der GbR darf 250.000 € nicht überschreiten.

Als Alternativen zur GbR bietet sich beispielsweise die Offene Handelsgesellschaft OHG oder die Partnerschaft an. Die Gründung einer OHG erfordert den Eintrag ins Handelsregister mit den entsprechenden Pflichten (Buchführung, Bilanzierung, Gewährleistung). Die Partnerschaft ist Freiberuflern vorbehalten (Eintrag ins Partnerschaftsregister beim Amtsgericht). Sowohl bei OHG als auch bei Partnerschaft haften alle Gesellschafter solidarisch und mit ihrem Privatvermögen. Die Partner der Partnerschaft können dabei aber zumindest die Haftung für Ansprüche aus Schäden wegen fehlerhafter Berufsausübung auf diejenigen beschränken, die diesen Beruf ausüben und die entsprechenden Leistungen erbringen. Die private Haftung stellt zwar ein persönliches Risiko für die Gesellschafter dar, bringt OHGs aber auch Pluspunkte bei der Kreditvergabe und im Geschäftsleben, weil durch die persönliche Haftung eine höhere Vertrauenswürdigkeit angenommen wird.

Alternative: Seit November 2008 ist die Gründung einer haftungsbeschränkten Unternehmergesellschaft UG (Mini-GmbH) möglich. Im Unterschied zur klassischen GmbH genügt bereits ein Startkapital von einem Euro. Allerdings besteht für die UG Sparzwang. Sie muss jährlich ein Viertel des Gewinnes zurücklegen, bis das volle Stammkapital von 25.000 € erreicht ist und sie damit zu einer „richtigen“ GmbH wird. Dieses Geld fehlt ggf. für Wachstumsinvestitionen.