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Thema der Woche 22. KW 2011

Firmen müssen automatische Profile bei Xing nicht hinnehmen

von Kirstin von Elm, Fachjournalistin für Wirtschaftsthemen, Mönkeberg

Automatisch ohne Einwilligung des Unternehmens angelegte Unternehmensprofile in sozialen Netzwerken müssen die betroffenen Firmen nicht hinnehmen. So entschied aktuell das Landgericht Nürnberg-Fürth zu Gunsten der Erlangener Tintschl AG. Der bayerische Personaldienstleister gewann damit eine Klage gegen das Karrierenetzwerk Xing.

Soziale Netzwerke sind aus dem Geschäftsalltag kaum noch wegzudenken. Rund elf Millionen Menschen nutzen bereits das deutsche Business-Netzwerk Xing, davon knapp die Hälfte aus dem deutschsprachigen Raum. Registrierten Mitgliedern bietet die Karriere-Plattform die Möglichkeit, ein eigenes Online-Profil anzulegen und sich im Netz mit Angaben zum aktuellen Arbeitgeber, zur aktuellen Position, zum persönlichen Werdegang und auch zu privaten Interessen vorzustellen. Auf Anfrage können sich Mitglieder gezielt untereinander vernetzen. Die eingegangenen Verbindungen (Kontakte) sind ebenfalls öffentlich einsehbar.

Was viele Unternehmer nicht wissen: Xing-Profile Ihrer Mitarbeiter werden von der Netzwerk-Software automatisch zu Unternehmensprofilen zusammengefasst.

In der Rubrik „Unternehmen“ bei Xing können registrierte Mitglieder gezielt nach Unternehmensprofilen suchen. In der Basisversion beinhaltet so ein automatisch generiertes Firmenprofil nicht viel mehr als eine Liste aller Mitarbeiter, die bei Xing registriert sind. Angaben wie Branche und Unternehmensgröße übernimmt die Software dabei aus den vorhandenen Mitarbeiterprofilen. Außerdem wertet das System aber auch persönliche Angaben der einzelnen Mitglieder aus. In der Rubrik „ Ich biete“ können Xing-Nutzer beispielsweise persönliche Stärken, Kenntnisse und Erfahrungen angeben. Unter der Überschrift „Mitarbeiter dieser Firma bieten“ vermischt sich deshalb Berufliches und Privates. Das kann zu Imageproblemen führen, beispielsweise, wenn sich Ihre Mitarbeiter als Mitglieder einer umstrittenen Organisation outen würden (Sekte, Splitterpartei), auf private Nebenjobs (Wahrsager, Bauchtänzer) verwiesen oder beste Kontakte zur Konkurrenz unterhielten. Zudem entstehen aus der wahllosen Verquickung von Einzelprofilen eher unscharfe, wenig aussagekräftige Unternehmensprofile, wie folgendes Praxisbeispiel zeigt.

Aus einem Xing-Unternehmensprofil vom 24.5.2011:

Mitarbeiter dieser Firma bieten: Motivation, flexibility, Anzeigen, Geschäftsberichte, Prospekte, passion, Marketing-Beratung, Direktmailings, Firmenzeitschriften, abroad experience, Erfahrung im Möbelhandel, Outperformance.

Gegenstrategien: Unternehmer, die sich nicht mit dem automatisch erzeugten Profil abfinden wollen, haben zwei Möglichkeiten.

1. Klagen: Das Landgericht Nürnberg-Fürth hat aktuell die Position von Unternehmen gestärkt. Ein automatisch generiertes Firmenprofil sei problematisch, weil sich aus den Einträgen einzelner Mitarbeiter keine repräsentative Firmendarstellung ergäbe, so das Urteil der Richter. Das Verfahren Tintschl AG gegen Xing endete in einem Vergleich: Xing musste die strittige Profilseite löschen und 2.500 Euro zahlen. Falls je wieder eine Tintschl-Profilseite online ginge, wären sogar 6.000 Euro Vertragsstrafe fällig.

2. Gestalten: Statt das Profil zu verbieten, können Unternehmen sich alternativ auch kostenlos bei Xing registrieren und ihre Profilseiten dort selbst bearbeiten, um sie gezielt zur positiven Selbstdarstellung zu nutzen. Die Basisversion des selbst erstellten Unternehmensprofils mit einer selbstverfassten Unternehmensdarstellung ist kostenlos. Außerdem gibt es verschiedene kostenpflichtige Premiumangebote mit erweiterten Darstellungsmöglichkeiten (ab ca. 25 €/ Monat).

Fazit: Die Aktivitäten und Einträge der eigenen Mitarbeiter bei Karrierenetzwerken wie Xing strahlen immer ein Stück weit auf das eigene Unternehmen ab. Selbst durch eine Klage lässt sich das letztlich nicht wirksam verhindern. Jederman kann schließlich gezielt nach Mitarbeitern einer bestimmten Firma suchen und sich deren Profile einzeln anschauen. Grundsätzlich sollten Unternehmer ihre Mitarbeiter deshalb aktiv über die Auswirkungen von Xing & Co. Auf die Außenwirkung des Unternehmens aufklären und vorhandene Unternehmensprofile mit ihnen besprechen. Wenn Mitarbeiter wissen, dass die Firma ihre Xing-Aktivitäten im Blick hat, werden sie den eigenen Profilen um so eher die erforderliche Sorgfalt widmen. Und klare Nutzungsregeln zum Umgang  mit Xing & Co sind auf jeden Fall besser, als ein komplettes Verbot.