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Thema der Woche 26. KW 2011

Das Büro nicht mit dem Strand verwechseln

von Susanne Görsdorf-Kegel, Freie Journalistin, Hamburg

In der warmen Jahreszeit wollen die meisten Arbeitnehmer lieber luftig-sommerlich als formell gekleidet ins Büro gehen.  Dabei gibt es aber ungeschriebene Gesetze, die Grenzen setzen.

Auf den ersten Blick haben die heutigen Arbeitnehmer es deutlich besser als Büroangestellte vor rund 100 Jahren: Für Männer ist der steife „Vatermörder“ aus der Mode gekommen, auch ein schwarzer Anzug mit Weste muss nicht zwingend sein. Die Kleidung der Frauen darf durchaus etwas mehr als nur die Stiefelspitzen zeigen, auch hier ist der hochgeschlossene gerüschte Stehkragen keine Vorschrift für ein korrektes Auftreten mehr. Insbesondere in den Sommermonaten dürften die meisten Arbeitnehmer froh über die gelockerten Sitten sein. Wenn sie daraus aber schließen, dass es gar keine Regeln mehr gibt, wie man bei der Arbeit korrekt gekleidet ist, irren sie sich in den meisten Fällen.

Das Umfeld entscheidet

Meistens sind diese Regeln aber nicht schriftlich fixiert und auch nicht explizit Teil des Arbeitsvertrags, sodass jeder selbst herausfinden muss, wie freizügig oder wie zugeknöpft er sich im Büro geben kann und muss. Stilexperten sind sich einig darüber, dass es eine allgemeingültige Vorschrift über das einzig richtige Büro-Outfit im Sommer nicht gibt. Grundsätzlich gilt, unabhängig von der Jahreszeit: Das berufliche Umfeld bestimmt, wie man sich kleiden muss. Die Kleidung, die in konservativeren Branchen wie dem Finanzdienstleistungssektor angemessen ist, wirkt in kreativen Berufen wie der Werbebranche als zu uniform und zu konservativ. Ein wichtiger Faktor ist auch, ob der Arbeitnehmer direkten Kontakt mit Kunden hat oder ob er seine Zeit im Büro am Schreibtisch verbringt. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die hierarchische Position: Je höher sie ist, umso formeller muss die Kleidung sein und umso enger wird die Farbpalette, die verwendet werden kann.

Die Grundregeln

Ein paar Grundregeln gibt es aber, die unabhängig von der konkreten Tätigkeit und der Branche sind. Sie lassen sich alle auf den Grundsatz zurückführen, dass es in einer (Arbeits-)Gemeinschaft notwendig ist, Rücksicht auf seine Mitmenschen und Kollegen zu nehmen. Dazu gehört, dass man ihnen den Anblick von körperlichen Unzulänglichkeiten möglichst ersparen sollte. Kurze Hosen bei Männern und tiefe Dekolletés bei Frauen sind nicht in jedem Fall ein ästhetischer Genuss, von bauchfreien Shirts ganz zu schweigen.

Generell kann man davon ausgehen, dass die Art, wie man sich im Strandurlaub kleidet, im Büro fehl am Platz ist. Flip-Flops, Shorts, ultrakurze Miniröcke und Tops mit Spaghetti-Trägern sind nach Meinung aller Stilexperten als Bürokleidung absolut untragbar. Einige von ihnen gehen sogar so weit, dass sie grundsätzlich geschlossene Schuhe – für Frauen allenfalls Slingpumps – empfehlen, Sandalen, welche die Zehen sichtbar machen, werden als unästhetisch abgelehnt. Umstritten ist dabei, ob auch bei hohen Temperaturen Strümpfe beziehungsweise Strumpfhosen für Frauen zwingend sind. Das hängt sicher ein Stück weit von der Branche und der Tätigkeit ab – eine Eisverkäuferin kann eher darauf verzichten als eine Managerin in einer Bank. Grundsätzlich ist jede Arbeitnehmerin aber auf der sichereren Seite, wenn sie sich hier keine Blöße gibt.

Keine Gleichberechtigung

Männer haben diese Wahlfreiheit allerdings nicht: Slipper oder Sandalen ohne Socken sind im Büro absolut indiskutabel – die immer noch beliebte Kombination kurze Hose, Sandalen und Socken allerdings auch.  Generell herrscht bei den Möglichkeiten, sich im Büro sommerlich zu kleiden, wenig Gleichberechtigung, Während Frauen mit einem zumindest knapp knielangen Bock und einer Bluse korrekt gekleidet sind, gehört zum Büro-Outfit der Männer sommers wie winters die Kombination aus langer Hose, Hemd, Krawatte und Sakko. Auch hier ist nicht ganz unumstritten, ob ein kurzärmliges Hemd  - das immer ohne Krawatte getragen werden sollte - noch akzeptabel ist. Aus Sicht der die meisten Fachleute ist es allenfalls für die unteren hierarchischen Stufen oder Berufe ohne jeden Publikumskontakt hinnehmbar. Sportlicher wirke allerdings ein Polohemd und eleganter ein langärmliges Hemd, dessen Ärmel man notfalls aufkrempeln könne. Bei Berufen mit Kundenkontakten hängt die Wahl des richtigen Hemds wie auch des gesamten Outfits davon ab, mit wem man es zu tun hat. Wer beispielsweise Kunden in ihrem Zuhause berät, die selbst im sommerlichen Freizeitlook sind, wirkt im korrekten Anzug zu distanziert. Hier sind eine leichte Baumwollhose und ein passendes Poloshirt die bessere Wahl.

Auch bei den Farben haben Frauen mehr Möglichkeiten

Auch bei den Farben und Mustern haben Frauen mehr Spielraum als Männer. Während ihnen grundsätzlich die gesamte Farbpalette zur Verfügung steht, um ihr Sommer-Feeling auszudrücken, müssen Männer sich an Blau- und Grautöne halten, zumindest dann, wenn sie Karriereambitionen haben. Allenfalls ein helleres Grau oder ein nicht zu helles Beige sind möglich – ein weißer Anzug wie in den Tropen passt selbst bei tropischen Außentemperaturen nicht in ein deutsches Büro.

Naturfasern sind Trumpf

Die Stoffe der Sommerkleidung sind selbstverständlich leichter und dünner als das, was man im Winter trägt. Auf Kunstfaser sollte man allerdings verzichten, um Geruchsbelästigungen für die Kollegen zu vermeiden. Besser sind atmungsaktive Naturfaser-Stoffe wie leichte Schurwolle und Baumwolle. Stark knitternde Materialien wie Leinen werden von vielen Stilexperten nicht empfohlen, zumindest für Führungskräfte und bei Berufen mit Kundenkontakt, bei denen ein stets korrektes Auftreten zwingend erforderlich ist.