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Thema der Woche 28. KW 2011

 

Win-Win-Lösung durch Mediation

von Susanne Görsdorf-Kegel, Freie Journalistin, Hamburg

Mit der Verabschiedung des Mediationsgesetzes bis zum Jahresende wird formell die Möglichkeit geschaffen, Konflikte einvernehmlich zu lösen, statt aufwendige Gerichtsverfahren anzustrengen. Mediation eignet sich dabei nicht nur für Konflikte in der Privatsphäre, sondern besonders auch bei Streitigkeiten in der Arbeits- und Geschäftswelt.

Voller Stolz hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zu Jahresbeginn das Gesetz zur Förderung der Mediation vorgestellt, welches die Bundesregierung damals auf den Weg gebracht hat. Es durchläuft aktuell das parlamentarische Verfahren mit Anhörungen von Fachleuten und soll zum Jahreswechsel in Kraft treten. Damit wird ein Verfahren offiziell anerkannt, das seit den 80er Jahren allmählich als Ergänzung zu den etablierten Gerichtsverfahren an Gewicht gewonnen hat. Mit dem Gesetz soll nun eine verlässliche und kostengünstige Grundlage geschaffen werden, damit die in einem Mediationsverfahren getroffenen Vereinbarungen rechtlich bindend umgesetzt werden können. Die Bundesregierung erhofft sich dadurch auch eine Entlastung der Gerichte, indem langwierige Prozesse vermieden werden. Die betroffenen Parteien und auch die Staatskasse können dadurch viel Geld sparen.

Mediation kann unabhängig von einem Gerichtsverfahren als außergerichtliche Mediation erfolgen, im Verlauf eines Prozesses außerhalb des Gerichts als gerichtsnahe Mediation oder im Rahmen eines Rechtsstreits mit einem Richter als Mediator, der aber nicht in der Sache selbst entscheidet.

Keine Verlierer

Von einem Gerichtsprozess unterscheidet sich Mediation vor allem dadurch, dass es keinen Gewinner und keinen Verlierer gibt. Beide Seiten erarbeiten unter Anleitung eines neutralen Mediators an der Lösung des Konflikts und tragen das Ergebnis gemeinsam.

Der Bundesverband Mediation e.V. (http://www.bmev.de/) definiert Mediation als fünfstufiges Verfahren. Zunächst setzen sich beide Seiten gemeinsam an einen Tisch und einigen sich auf Regeln für eine offene und gleichwertige Kommunikation, bei der jeder dem anderen wirklich zuhört. Danach stellt jede Partei ihre Position dar und es wird versucht, die verborgenen Interessen, Hintergründe und Gefühle aufzudecken. In der vierten Phase bemühen sich alle Beteiligten gemeinsam Lösungsmöglichkeiten zu sammeln und zu entwickeln, die schließlich in einer Übereinkunft festgehalten werden. Wichtig ist dabei die Rolle des Mediators, der von beiden Seiten als neutrale Vertrauensperson akzeptiert werden muss. Er darf in der Sache selbst nicht entscheidungsbefugt sein – das Ergebnis muss von den beiden Konfliktparteien erarbeitet und einvernehmlich umgesetzt werden.

Ein Schwachpunkt des Gesetzentwurfs ist es aus Sicht vieler Experten, dass darauf verzichtet wird, verbindliche Regelungen festzulegen, welche fachlichen Voraussetzungen ein Mediator haben muss und dies den Kammern und Verbänden überlässt. Dadurch wird die Berufsbezeichnung auch in Zukunft nicht geschützt sein. Lediglich eine Weiterbildung von mindestens 200 Stunden, wie sie der Bundesverband Mediation anbietet, ist Pflicht. Wer sie erfolgreich absolviert hat, bekommt ein Siegel, das ihn als geprüften Mediator ausweist.

Aktuell sind neben Vertretern von Berufen, die von der Ausbildung her weniger mit Menschen und Konfliktlösungen zu tun haben, vor allem Sozialpädagogen, Theologen, Lehrer und insbesondere Juristen als Mediatoren tätig.

In der Arbeitsgruppe Mediation des Deutschen Anwaltvereins (http;//mediation.anwaltverein.de)  sind rund 500 Rechtsanwälte organisiert, die eine Zusatzausbildung als Mediator durchlaufen haben.

Viele Anwendungsbereiche in der Wirtschaft

Die anwaltlichen Mediatoren sind in zehn Teilbereichen der Mediation tätig, die sich sowohl auf das Privatleben als auch auf die Arbeitleben beziehen. In der Wirtschaft eröffnen sich der Mediation viele Einsatzmöglichkeiten, beispielsweise bei

  • komplexen Vertragsstreitigkeiten
  • Unternehmensnachfolgen
  • Unternehmenszusammenschlüssen.

Ein wichtiges Betätigungsfeld für Mediation sind Konflikte bei IT-Projekten. Sie sind meist so komplex, dass sie das Fachwissen eines Richters übersteigen und eignen sich deshalb nur schlecht für eine gerichtliche Auseinandersetzung. Einem Mediator, der über die erforderliche Fachkenntnis und Projekterfahrung verfügt, kann es dagegen gelingen, eine Gesprächsbasis herzustellen und so eine verfahrene Situation zu lösen. Als Variante kann es sinnvoll sein, dass sich beide Geschäftspartner bereits zu Beginn eines Projekts auf einen Mediator einigen, der das Projekt begleitet. Damit können auftretende Schwierigkeiten kurzfristig gelöst werden, bevor sich die Fronten verhärten.

Das Ergebnis gemeinsam erzielen

Der gemeinsame Nenner von allen Formen der Mediation ist, dass sie dazu beiträgt, Destruktionen zu überwinden und einen Konflikt sachlich zu lösen, während durch die Gewinner-Verlierer-Situation in einem Gerichtsverfahren die negativen Emotionen eher verstärkt werden, Weitere unabdingbar wichtige Voraussetzungen für den Erfolg sind, dass beide Seiten sich freiwillig und ohne äußeren Druck auf das Verfahren einlassen und bereit sind, an kreativen Lösungen mitzuarbeiten. Dazu gehört auch die Bereitschaft sich zu öffnen und Informationen über unterdrückte Gefühle preiszugeben. Das Ergebnis der Mediation kann nur erfolgreich sein, wenn es von beiden Seiten paritätisch erarbeitet und mitgetragen wird.

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