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Thema der Woche 28. KW

Degressive Abschreibung nur noch im Jahr 2010 möglich

von Dipl.-Betriebswirt Michael Konetzny, Porta Westfalica

Zum Ende des Jahres läuft die degressive Abschreibung aus. Sollten Unternehmen deshalb notwendige Investitionen vorziehen?

Eigentlich endete 2007 die Möglichkeit der degressiven Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter. Um die Investitionstätigkeiten der Unternehmen im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise anzukurbeln, beschloss die Bundesregierung jedoch 2008, die degressive Abschreibung für die Jahre 2009 und 2010 wieder einzuführen. Somit darf die degressive Abschreibung letztmalig 2010 angewendet werden. Ab 2011 ist - zumindest steuerrechtlich - nur noch die lineare Abschreibung zulässig.

Der Abschreibungssatz ist limitiert auf das 2,5-fache der linearen Abschreibung, maximal 25 Prozent. Damit ist die degressive Abschreibung bei Wirtschaftsgütern mit einer Nutzungsdauer ab fünf Jahren günstiger als die lineare, da die lineare Abschreibung bei fünf Jahren pro Jahr 20 Prozent und damit weniger als der maximale degressive Abschreibungssatz von 25 Prozent beträgt (§ 7 Abs. 2 EStG).

Degressiv abschreibbare Wirtschaftsgüter

Die degressive Abschreibung kommt nur für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens in Betracht (§ 7 Abs. 2 EStG). Hierzu gehören:

  • Sachen (körperliche Gegenstände), soweit sie nicht wesentliche Bestandteile anderer Gegenstände bzw. von Gebäuden und Grundstücken sind
  • Betriebsvorrichtungen (auch dann, wenn sie wesentliche Bestandteile eines Gebäudes sind)
  • Scheinbestandteile und Tiere

Für geringwertige Wirtschaftsgüter mit Anschaffungskosten bis zu 1.000 EUR sind Sonderregelungen zu beachten. Immaterielle Vermögensgegenstände dürfen nur linear abgeschrieben werden.

Sollten Investitionen vorgezogen werden?

Zu Beginn des Abschreibungszeitraums können degressiv höhere Beträge abgeschrieben werden, die sich im Laufe des Abschreibungszeitraums dann aber verringern. Der Vorteil liegt damit in der höheren Abschreibung zu Beginn der Abschreibungsphase.

Da bei Investitionen in Wirtschaftsgüter mit einer Nutzungsdauer von mindestens fünf Jahren die degressive Abschreibung günstiger ist als die lineare, stellt sich natürlich die Frage, ob Unternehmen Investitionen in das Jahr 2010 vorziehen sollten.

Beispiel: Die X-GmbH benötigt eine Maschine mit Anschaffungskosten von 100.000 EUR und einer betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 10 Jahren. Entscheidet sich das Unternehmen für die lineare Abschreibung, so kann es 10 Jahre lang jeweils 10.000 EUR abschreiben und hierdurch den zu versteuernden Gewinn mindern. Demgegenüber kann es bei der degressiven Abschreibung bereits im ersten Nutzungsjahr 25.000 EUR abschreiben.

 

Hierdurch sind im ersten Jahr der Nutzung 15.000 EUR Gewinn weniger zu versteuern. Dieser Effekt sinkt allerdings in den folgenden 4 Jahren und dreht sich ab Jahr fünf um.

 

Diese Situation hat der Lehrstuhl für Controlling an der Universität Münster zum Anlass genommen, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob Investitionen wegen des Auslaufens der degressiven Abschreibung vorgezogen werden sollten.

In der Regel lohnt es sich nicht, Investitionen vorzuziehen

Nach den vorliegenden Ergebnissen lassen sich die Vorteile aus der degressiven Abschreibung als recht überschaubar kennzeichnen, da die Vorteile - bezogen auf die Investitionssumme - lediglich 1,0 bis 4,5 Prozent betragen. Für das oben genannte Beispiel liegt der Vorteil bei einem angenommenen Zinssatz von 5 Prozent und einem Steuersatz von 30 Prozent gerade mal bei 1.544 EUR.

Der Lehrstuhl stellt zur Bewertung der degressiven Abschreibung eine Excel-Datei zur Verfügung, mit der Sie Ihre eigenen Investitionsvorhaben und die damit verbundenen Vorteile leicht selbst quantifizieren können. Die Excel-Anwendung zur Bewertung des steuerlichen Vorteils finden Sie auf der Homepage des Lehrstuhls (http://www.wiwi.uni-muenster.de/ctrl/md/content/publikationen/Afa_WE.xls).