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Thema der Woche 40. KW

Barzahlung: Bald Annahmezwang für große Scheine?

von Kirstin von Elm, Fachjournalistin für Wirtschaftsthemen, Mönkeberg

In 16 europäischen Ländern wird heute schon offiziell mit dem Euro bezahlt, ab Januar 2011 kommt Estland als Nummer 17 dazu. Der Umgang mit dem Euro-Bargeld ist bisher jedoch nicht einheitlich geregelt. So nehmen Geschäfte in Belgien oder Finnland zum Beispiel keine 1- und 2-Cent-Münzen an, deutsche Unternehmer verweigern dagegen oft große Scheine.  Die EU-Kommission will künftig gleiche Regeln für die gesamte Eurozone schaffen.

Im deutschen Geschäftsalltag spielt Bargeld nach wie vor eine herausragende Rolle. Obwohl fast jeder mindestens eine Bankkarte im Portemonnaie stecken hat, bezahlen deutsche Kunden über 80 Prozent aller Transaktionen in bar. Das entspricht einem Umsatzanteil von fast 60 Prozent – auch größere Beträge werden also nach wie vor gerne mit Scheinen und Münzen beglichen. Einer Studie der deutschen Bundesbank zufolge haben 45 Prozent der Bundesbürger mehr als 100 Euro in bar bei sich, wenn sie einkaufen gehen.

Für Unternehmer ist die Annahme von Bargeld mit Kosten und Risiken verbunden. Insbesondere zählen dazu die – oft landesspezifischen - Kosten für Wechselgeld, sichere Geldtransporte und Bankgebühren sowie Verluste durch Kassierfehler, Diebstahl, Raub oder Fälschungen. In den einzelnen Ländern der Eurozone haben sich deswegen unterschiedliche Spielregeln für den geschäftlichen Umgang mit Bargeld als Zahlungsmittel etabliert. So wird in Skandinavien oft die Annahme kleiner Münzen verweigert, in Deutschland können Kunden dagegen nicht jeden Einkauf mit großen Scheinen bezahlen. Die vielen nationalen Sonderregeln sind der EU-Kommission ein Dorn im Auge. Eine neue EU-Empfehlung soll künftig alle Euroländer auf gemeinsame Leitlinien beim Bargeld einschwören.

Die wichtigsten Punkte der EU-Empfehlung über den Geltungsbereich und die Auswirkungen des Status der Euro-Banknoten und -Münzen als gesetzliches Zahlungsmittel:

  1. Die Annahme von Barzahlungen sollte die Regel sein und darf nichts extra kosten.
  2. Die Annahme großer Banknoten (200 €, 500 €) sollte ebenfalls die Regel sein und nicht von vorneherein durch Hinweisschilder im Laden/an der Kasse ausgeschlossen werden.
  3. Die Mitgliedstaaten sollten keine neuen Rundungsregeln einführen, beispielsweise Preise stets auf die nächsten fünf Cent auf- oder abrunden.
  4. Euro-Sammelmünzen sollten nicht als Zahlungsmittel verwendet werden.
  5. Gefärbte Banknoten sollten an die nationalen Zentralbanken zurückgegeben werden, da sie mit hoher Wahrscheinlichkeit gestohlen wurden.

Konsequenzen für Unternehmer: Eine Empfehlung der EU ist rechtlich grundsätzlich nicht verbindlich. Noch ist also nicht klar, ob und wie die im März 2010 verabschiedeten EU-Leitlinien in nationales Recht umgesetzt werden. Doch auch wenn keine juristischen Sanktionen drohen, sollten Unternehmer sich an der Kasse stets um optimalen Kundenservice bemühen. Grundsätzlich ist es zwar nicht verboten, die Annahme von großen Scheinen grundsätzlich zu verweigern, doch viele Kunden reagieren zu recht verärgert, wenn sie sich bereits zum Kauf entschlossen haben, nur um dann beim Bezahlen noch zu scheitern. So vermeiden Sie den Ärger und Umsatzeinbußen:

  • Verzichten Sie auf pauschale Verbote und Hinweisschilder an der Kasse. Das wirkt unhöflich und zeugt schlimmstenfalls sogar von Mißtrauen gegen die eigene Kundschaft.
  • Bei namentlich bekannten Kunden (z.B. Kundenkarteninhaber, Stammkunde) sollten Sie auch große Scheine akzeptieren.
  • Schaffen Sie sich ein Testgerät an, um große Scheine auf Echtheit zu prüfen. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank ist das Fälschungsrisiko ohnehin begrenzt: Auf 13,2 Mrd. in Umlauf befindlicher Euro-Noten kamen im ersten Halbjahr 2010 gerade einmal 387.000 Fälschungen. 85 Prozent aller aus dem Verkehr gezogenen Blüten waren zudem 20er- und 50er-Scheine.
  • Ablehnen können Sie große Scheine, wenn es dadurch Probleme mit dem Wechselgeld gibt. Wer beispielsweise eine Schachtel Zigaretten kauft, kann nicht erwarten, dass Sie 495 Euro Wechselgeld herausgeben.
  • Weisen Sie Kunden stets freundlich auf bargeldlose Zahlungsalternativen hin, wenn Sie einen Schein nicht annehmen wollen oder können.
  • Für Münzen gilt: Laut EG-Verordnung Nr. 974/98 sind Sie nicht verpflichtet, mehr als fünfzig Münzen bei einer einzelnen Zahlung anzunehmen. Weisen Sie ggf. auch hier auf bargeldlose Zahlungsalternativen hin. Prüfen Sie, ob sich ggf. ein automatischer Münzzähler an der Kasse für Sie rechnet. Liefern Sie unbedingt nachvollziehbare Argumente für die verweigerte Annahme (also beispielsweise nicht „Das kostet mich hohe Gebühren“ sondern „Wir bemühen uns um kurze Wartezeiten an der Kasse“).