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Thema der Woche 45. KW 2011

Steuerfrei Schenken: Handlungsspielraum bis Ende 2011 nutzen

von Kirstin von Elm, Fachjournalistin für Wirtschaftsthemen, Mönkeberg

Noch bis Ende des Jahres können Unternehmer große Geldbeträge steuerfrei an Angehörige übertragen. Der Weg führt über eine gemeinsame GmbH. Wer das Steuerschlupfloch nutzen will, sollte am besten schnell handeln. Zum 1. Januar 2012 will der Fiskus die Einnahmelücke nämlich stopfen.

Angenommen Vater, Onkel oder Großtante möchten Vermögen auf Sie übertragen, dann sollten Sie als Unternehmer stets prüfen, ob sich das auch über eine gemeinsame GmbH realisieren lässt. Auf diesem Wege lässt sich nämlich die Schenkungssteuer auch außerhalb der sonst üblichen Fristen und Freibeträge umgehen.

Das Modell: Sie haben bereits eine GmbH oder gründen gemeinsam mit dem Schenkenden eine. Wichtig ist, dass Sie selbst einen möglichst hohen Anteil an der Gesellschaft halten. Der Schenkende beteiligt sich dagegen idealerweise nur zu einem deutlich geringeren Anteil an dieser GmbH. Anschließend bringt er den zu schenkenden Beitrag ein – aber nicht als Stammkapital, sondern als verdeckte Einlage. Der Clou: Die verdeckte Einlage verändert nicht die bestehenden Beteiligungsverhältnisse, sondern erhöht den Wert Ihrer Einlage im Verhältnis zum Stammkapital. Als Mehrheitsgesellschafter profitieren Sie also überproportional von dem  Wertzuwachs. Beispiel: Angenommen Sie halten 80 Prozent der Anteile, der Schenkungswillige dagegen nur 20. Bringt er nun 100.000 Euro in die GmbH ein, entspricht das wirtschaftlich einer Vermögungsübertragung von 80.000 Euro an Sie.

So eine Einlage, die nicht zu einer Veränderung der Beteiligungsverhältnisse führt, heißt im Steuerrecht disquotale Einlage. Seit einem Urteil des Bundesfinanzhofs vom Dezember 2009 (Az. II R 28/08) bleibt die disquotale Einlage von der Schenkungssteuer verschont. Den Finanzämtern ist das aber ein Dorn im Auge. Im Januar 2012 soll deshalb voraussichtlich ein neues Gesetz in Kraft treten, um das ungeliebte Schlupfloch wieder zu verschließen.

Wer die disquotale Einlage bis dahin noch zur Übertragung von Vermögen innerhalb der Familie nutzen will, sollte folgende Punkte beachten:

  1. Der Schenker darf nicht nur Geld übertragen, sondern auch Wertpapiere – allerdings fallen dann beim Übergang an die GmbH genau wie bei einem Verkauf an der Börse Kapitalertragssteuern an. 
  2. Wenn der Beschenkte später die GmbH-Anteile veräußern will, erzielt er ebenfalls einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn.
  3. Der Schenkende kann sich nicht vertraglich absichern. Anders als eine klassische Schenkung kann eine disquotale Einlage nämlich nicht an Bedingungen (z.B. Nießbrauch) gekoppelt werden. Auch kann er seine Gabe nicht mehr widerrufen oder eine Anrechnung aufs Erbteil des Beschenkten verlangen.

Fazit: Die disquotale Einlage ist vor allem interessant, wenn Vermögen jenseits von Familienfreibeträgen (400.000 Euro für Kinder, 500.000 Euro für Ehegatten) übertragen werden soll. Auch die Übergabe von Immobilien oder Firmenanteilen lässt sich so ggf. steuergünstig gestalten. Allerdings sollte ein stabiles Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien bestehen, um beispielsweise Ärger unter den späteren Erben zu vermeiden. Lassen Sie sich vorab in jedem Fall über die steuerlichen Konsequenzen (Ertragssteuern, Veräußerungsgewinne, Haltefristen) beraten.

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