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Thema der Woche 47. KW 2011

Doppelte Mietzahlungen dürfen in voller Höhe als Werbungskosten abgezogen werden

von Christian Ollick, Dipl.-Finanzwirt (FH)

Wer aus beruflichen Gründen einen doppelten Haushalt führt, kann die Mietzahlungen für seine Zweitwohnung bis zu einer Größe von 60 qm als Werbungskosten abziehen. Der Bundesfinanzhof gewährt jetzt einen noch großzügigeren Abzug und entschied, dass doppelte Mietzahlungen während der Umzugsphase sogar in voller Höhe abziehbar sind.

Wenn der Umzug in eine neue Wohnung bevorsteht, müssen Mieter häufig doppelte Mietzahlungen schultern, da der Mietvertrag für die alte Wohnung noch läuft, während die neue Miete bereits fällig wird. Ein Familienvater aus Bayern war der Ansicht, dass diese Doppelbelastung steuerlich abzugsfähig sein muss.

Was war passiert?

Er hatte wegen eines Arbeitsplatzwechsels eine Wohnung in der Nähe seiner neuen Arbeitsstelle angemietet. Da seine Familie von vornherein plante, ebenfalls dorthin zu ziehen, mietete er sofort eine große Wohnung mit 165 qm an. Dort wohnte er zunächst zwei Monate alleine, dann zog seine Familie dort ein. Die ersten zwei Monatsmieten machte er als Werbungskosten auf der Anlage N seiner Einkommensteuererklärung geltend.

Finanzamt kürzte die Kosten

Das Finanzamt setzte den Rotstift an und erkannte die Kosten für eine Zweitwohnung nur anteilig für eine (angemessene) 60 qm Wohnung an. Diese Kürzung sei aufgrund der Regelungen zur doppelten Haushaltsführung geboten, meinte das Amt.

Praxishinweis:
In der Tat ist es so, dass die Kosten für die Zweitwohnung im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung nur in Höhe des angemessenen Kostenteils berücksichtigt werden dürfen. Als angemessen gilt nach der gefestigten BFH-Rechtsprechung eine Wohnung von 60 qm, die zu einer ortsüblichen durchschnittlichen Miete angemietet wird (BFH, 09.08.2007 - VI R 10/06). Ist die Zweitwohnung größer oder teurer, werden die Kosten nur anteilig berücksichtigt.

Familienvater zog vor den BFH

Der Familienvater gab sich mit dieser Kürzung nicht zufrieden und zog vor den Bundesfinanzhof (BFH). Seine Hartnäckigkeit zahlte sich aus: Die obersten deutschen Steuerrichter entschieden mit Urteil (BFH, 13.07.2011 - VI R 2/11), dass der Familienvater den doppelten Mietaufwand in voller Höhe als Werbungskosten abziehen darf. Im Urteilsfall ging es um doppelte Mietzahlungen von insgesamt 2.281 EUR. Unterstellt man dem Familienvater einen Grenzsteuersatz von 42 %, führte der Richterspruch also zu einer Steuerersparnis von 958 EUR.

Umzug muss beruflich veranlasst sein

Die Richter betonten, dass nach den Regelungen zur doppelten Haushaltsführung nach wie vor nur ein Abzug für eine 60 qm große Wohnung möglich ist. Die Mietaufwendungen des Familienvaters fallen aber nicht unter die Regelungen zur doppelten Haushaltsführung, sondern sind als "reguläre" Werbungskosten abziehbar, weil der Umzug nahezu ausschließlich beruflich veranlasst war. Anders als bei einer doppelten Haushaltsführung diente das Unterhalten zweier Wohnungen zudem allein dem Zweck der Familienzusammenführung.

Praxistipp:
Ein Umzug ist zum Beispiel dann nahezu ausschließlich beruflich veranlasst, wenn er wegen eines Arbeitsplatzwechsels oder einer erheblichen Fahrzeitverkürzung zur Arbeitsstätte erfolgt. Private Gründe dürfen allenfalls eine untergeordnete Rolle spielen.

BFH legte ein Zeitfenster fest

Nach dem Urteil dürfen die Mietaufwendungen für die bisherige Wohnung erst ab dem Auszugstag der Familie steuerlich abgezogen werden, die Kosten für die neue Wohnung nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Familie dort einzieht.

Praxishinweis:
Diese zeitliche Beschränkung folgt aus dem steuerlichen Grundprinzip, dass Kosten für den Familienwohnsitz (Lebensmittelpunkt) steuerlich nicht abziehbar sein dürfen.

Der BFH zieht noch eine weitere zeitliche Beschränkung ein, indem er bestimmt, dass die Aufwendungen längstens bis zum Ablauf der Kündigungsfrist des bisherigen Mietverhältnisses abgezogen werden dürfen.

Verpflegungsmehraufwendungen und Kosten für Familienheimfahrten

Das Gericht weist ergänzend darauf hin, dass neben diesem unbeschränkten Kostenabzug auch die Verpflegungsmehraufwendungen, sowie Kosten für Familienheimfahrten nach den Regelungen zur doppelten Haushaltsführung abgezogen werden dürfen; und zwar solange, bis die doppelte Haushaltsführung endet.

Kosten für Familienheimfahrten

Absetzbar sind die Kosten für eine wöchentliche Fahrt zum Familienwohnsitz mit 0,30 EUR pro Entfernungskilometer. Fahrten mit dem Dienstwagen dürfen aber nicht angesetzt werden.

Verpflegungsmehraufwendungen

Für die ersten drei Monate nach dem Bezug der Zweitwohnung darf der Arbeitnehmer Verpflegungsmehraufwendungen abziehen. Für jeden Tag, an dem er ganztägig seinem Familienwohnsitz fernbleibt (in der Regel an einem Arbeitstag), kann er pauschal 24 EUR als Werbungskosten geltend machen. An den Tagen, an denen er zwischen seinen Wohnsitzen hin- und herpendelt, staffelt sich der Pauschbetrag nach der Abwesenheitsdauer von seinem Familienwohnsitz: Ist er mindestens 14 Stunden von seinem Familienwohnsitz abwesend, beträgt der Pauschbetrag 12 EUR. Ist er mindestens acht Stunden von seinem Familienwohnsitz abwesend, darf er einen Tagessatz von 6 EUR ansetzen. Dieser Abzug gilt aber nur maximal bis zur Beendigung der doppelten Haushaltsführung.

Fazit:
Das BFH-Urteil kann ein "Türöffner" für alle Arbeitnehmer sein, die doppelte Mietzahlungen infolge eines beruflich veranlassten Umzugs getragen haben. Wichtig ist, dass das vorübergehende Unterhalten zweier Wohnungen der Familienzusammenführung diente.
Unklar ist derzeit noch, ob die Finanzämter die neue Rechtsprechung allgemein anwenden werden. Wer seine doppelte Miete in der Einkommensteuererklärung geltend macht, sollte auf jeden Fall das Aktenzeichen des BFH-Urteils angeben.