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Thema der Woche 50. KW

KV:  So optimieren Chefs ihre persönlichen Gesundheitskosten

von Kirstin von Elm, Fachjournalistin für Wirtschaftsthemen, Mönkeberg

In der Steuererklärung für 2010 dürfen Krankenversicherungsbeiträge erstmals weitgehend steuerlich abgesetzt werden. Tarife mit hohem Selbstbehalt oder Beitragsrückgewähr verlieren dadurch an Attraktivität. Unternehmer und Selbständige sollten zum Jahresende Bilanz ziehen und prüfen, ob sich das gewählte Modell noch rechnet.

Freiberufler, Selbständige und Unternehmer haben in Deutschland die Wahl: Unabhängig von der Höhe des Einkommens können Sie sich entweder als freiwilliges Mitglied in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichern oder aber eine private Krankenvollversicherung (PKV) abschließen. Für beide Modelle gilt: Sowohl Kassen- als auch Privatpatienten dürfen die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung als Vorsorgebeiträge für das Jahr 2010 erstmals zum Großteil steuerlich absetzen. Umgekehrt interessiert sich das Finanzamt jetzt aber auch für Prämien und Rückerstattungen, die Ihnen Ihre Kasse im Laufe des Jahres gewährt hat, denn sie erhöhen die Steuerlast.

So sparen Sie Steuern und Prämie:

Grundschutz: Als Kassenpatient mit Anspruch auf Krankengeld dürfen Sie 96 Prozent der Beitragszahlungen von 14,9 Prozent 2010 steuerlich geltend machen. Für den Anspruch auf Krankentagegeld zieht das Finanzamt pauschal vier Prozent ab. Verlangt Ihre Kasse darüber hinaus einen Zusatzbeitrag, wird dieser voll steuerlich angerechnet. Für privat versicherte Selbstständige gilt: Sie dürfen den Anteil ihrer PKV-Beiträge steuerlich geltend machen, der dem Leistungsniveau der GKV entspricht. Den genauen Betrag rechnet Ihnen Ihre Versicherungsgesellschaft aus (Richtwert: 80 Prozent).

Private Zusatzversicherungen: Wahlleistungen im Krankenhaus, höherwertiger Zahnersatz und andere Extras, zählen steuerlich zwar ebenfalls zu den absetzbaren Vorsorgebeiträgen. Selbständige dürfen dafür 2010 maximal 2 800 geltend machen (Ehepaare 5 600 Euro) – allerdings nur, wenn dieser Betrag nicht schon durch die Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für den Grundschutz ausgeschöpft ist.

Krankentagegeld: Der Verzicht auf Krankentagegeld (Wahlerklärung) spart Ihnen als freiwillig versichertes Kassenmitglied 0,6 Beitragspunkte. Bei einem Einkommen von 2 500 Euro sind das beispielsweise 15 Euro monatlich. Umgekehrt stünden Ihnen per Wahlerklärung im Krankheitsfall ab dem 43. Tag 70 Prozent des bisherigen Bruttoeinkommens zu, im Beispiel also 58,34 Euro pro Tag - und das bis zu 78 Wochen lang. Der Wechsel zu einer privaten Krankentagegeld-Versicherung oder ein alternativer Krankengeld-Wahltarif, wie ihn viele gesetzliche Kassen inzwischen anbieten, rechnet sich deshalb nur selten. Ausnahme: Wer als Selbständiger weniger verdient als das zur Beitragsberechnung herangezogene Mindesteinkommen (rund 1 920 Euro), sollte nachrechnen. Das Krankengeld per Wahlerklärung bemisst sich nämlich nur nach dem (niedrigeren) tatsächlichen Einkommen. Hier bietet ein Wahltarif ggf. das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis.

Achtung: An die Wahlerklärung (mit oder ohne Krankengeld) sind Sie drei Jahre gebunden.

Selbstbehalt oder Beitragsrückgewähr: Wer bereit ist, kleinere Schäden aus eigener Tasche zu begleichen, kann bei vielen Versicherungen sparen. Auch gesetzliche Krankenkassen bieten inzwischen solche freiwilligen Wahltarife. Wer ein Jahr lang keine Leistungen in Anspruch nimmt (Ausnahme Vorsorgeuntersuchungen) oder einen bestimmten Betrag aus eigener Tasche bezahlt, bekommt dafür eine Gutschrift. Die Höhe richtet sich nach dem gezahlten Beitrag, maximal sind 600 € Ersparnis möglich. Wer allerdings krank wird, zahlt bei diesen Tarifen schnell drauf. Private Arztrechnungen schmälern zudem im Gegensatz zum Kassenbeitrag nicht die Steuerlast. Umgekehrt müssen Sie dem Finanzamt Gutschriften Ihrer Kasse melden und versteuern.

Fazit: Als Firmenchef sollten Sie sämtliche Optimierungsmöglichkeiten ausschöpfen, denn 2011 steigen die Beiträge. Viele private Krankenversicherer haben bereits Beitragserhöhungen um 5 bis 10 Prozent angekündigt. Für freiwillig GKV-Versicherte erhöht sich der Kassenbeitrag ab  Januar um 0,6 Prozentpunkte auf 15,5 Prozent, außerdem dürfen die Kassen bei Bedarf noch üppige Zusatzbeiträge erheben. In diesem Fall steht Ihnen allerdings ein Sonderkündigungsrecht zu. Wenn Sie die Kasse wechseln, vergleichen Sie sorgfältig die Leistungen. Zwar ist der Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen zu 95 Prozent deckungsgleich, einige Kassen bieten aber trotzdem freiwillig mehr als andere. Unterschiede gibt es beispielsweise bei Vorsorgemaßnahmen, Reiseimpfungen, Auslandsschutz oder den Kosten für eine Haushaltshilfe im Krankheitsfall.