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Top-Thema 03/2014

Regeln für die Werbung mit Testergebnissen!

Testergebnisse erzeugen beim Werbeadressaten gesteigerte Aufmerksamkeit. Die einschlägigen Siegel und Marken z.B. der "Stiftung Warentest" sind gern genutzte Eyecatcher des Marketings. Die Hinweise vermitteln gleichzeitig Qualitätsvorstellungen und -aussagen. Insbesondere Verbraucher werden daher durch diese Form der Werbung stark beeinflusst. Die Rechtsprechung stellt aus diesem Grund an die Werbung unter Hinweis auf Testergebnisse strenge Anforderungen.

Die Gerichte betrachten die Werbung mit Testergebnissen aus zwei Blickrichtungen: Einmal die © Jan Engel - Fotolia.comVerbindung von Testergebnis und Produkt, zum anderen die Nachprüfbarkeit der verwendeten Testergebnisse:

Das beworbene Produkt

Kern der Rechtssprechung zur Zulässigkeit der Werbung mit Testhinweisen ist:

Das beworbene Produkt muss grundsätzlich identisch mit dem Produkt sein, das Gegenstand des Tests war.

Da aber beinahe jedes Produkt im Laufe der Zeit Änderungen unterliegt, erkennt die Rechtsprechung geringfügige Änderungen als zulässig an. Allerdings müssen das beworbene und das getestete Produkt baugleich sein. Zudem ist entsprechender Hinweis in der Werbung erforderlich! Qualitative Gleichwertigkeit, sogar eine Verbesserung, ist für die Frage der Irreführung irrelevant, solange es an der Baugleichheit fehlt.

Änderungen der Verpackung (auch wenn es sich dabei um ein Testkriterium handelt), müssen hingegen nicht zur Unzulässigkeit der Werbung führen, selbst ohne entsprechenden Hinweis. Die Verpackung ist, nach der Rechtsprechung, grundsätzlich kein ausschlaggebendes Kriterium für die geschäftliche Entscheidung des Konsumenten.

Nach Änderung der Testkriterien, ist eine Werbung mit „altem“ Testergebnis unzulässig. Der Verbraucher geht nämlich davon aus, dass dem Test jeweils die gültigen Testkriterien – dem Stand der Technik entsprechend – zugrunde liegen, dieser als aktuell ist.

Ist das Produkt Gegenstand eines neueren Tests, darf mit dem alten Ergebnis nicht mehr geworben werden. Ausgenommen hiervon ist die Werbung für Restposten. Werden Restposten entsprechend beworben, also ausdrücklich als „Restposten“, darf auch auf ältere Tests für das Produkt verwiesen werden.

Allgemein gilt: Das Produkt darf nicht als (Gesamt-)Testsieger dargestellt werden, wenn es nur in einer Kategorie am Besten abgeschnitten hat.

Die werbliche Darstellung

Die Rechtsprechung verlangt, dass der Verbraucher leicht und eindeutig in die Lage versetzt wird, die Angaben über das Testurteil zu überprüfen. Daraus ergeben sich die folgenden Anforderungen an die werbliche Darstellung:

  • Eine Fundstelle des Testergebnisses muss angegeben werden. Der bloße Hinweis auf das Testinstitut reicht nicht aus.

  • Der Testzeitpunkt muss mit angegeben werden. Mit zunehmendem Abstand verliert der Testhinweis seine Anziehungskraft für die Verbraucher.

  • Bei Lebensmitteln sollte die Chargennummer oder das Haltbarkeitsdatum der getesteten Produkte angegeben werden.

  • Grundsätzlich liegt keine ausreichende Erkennbarkeit vor, wenn die Angaben zum Test in einer Schrift kleiner als 6-Punkt dargestellt werden. Allerdings kann im Ausnahmefall und abhängig von der Deutlichkeit des Schriftbildes in seiner Gesamtheit (Kontrast, Farbe, Schriftart, etc.) auch eine kleinere Schriftgröße gewählt werden.

    Entscheidend ist, ob der Hinweis ohne besondere Anstrengung zu lesen ist.

  • Erfolgen die Angaben nicht unmittelbar in Zusammenhang mit der Darstellung des beworbenen Produkts, muss ein direkter Bezug hergestellt werden. Dies kann durch einen Sternchenhinweis vorgenommen werden. Auch hier gilt, dass die Angaben leicht auffindbar sein müssen. Am Ende einer umfangreichen Homepage kann dies unter Umständen nicht mehr ausreichen.

Hinweise für die Praxis:

Bei Werbung mit Testhinweisen ist also zu beachten:

  1. Identität der Produkte (Gegenstand der Werbung und des Tests).
  2. Testfundstelle (inkl. Testzeitpunkt) muss angeben werden und leicht und erkennbar wahrnehmbar sein.

  3. Werbung mit Hinweisen auf „älteren Test“ zulässig, wenn:

    a)    Zeitpunkt der Testveröffentlichung erkennbar gemacht wird,

    b)    keine neueren Testergebnisse vorliegen,

    c)    Baugleichheit vorliegt und

    d)    weder Test noch Testobjekt technisch überholt sind.

Prüfen Sie zudem die vertraglichen Bedingungen des jeweiligen Testinstituts an die Nutzung des Ergebnisses bzw. ihres Logos, um die Gefahr einer Vertragsverletzung auszuschließen.

Autor: RA Sebastian Ochs, München
Bildrechte: © Jan Engel - Fotolia.com