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Top-Thema 06/2015

Betriebliches Gesundheitsmanagement ist keine Frage der Größe!

Bisher wird das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) vor allem in großen Unternehmen praktiziert – der Mittelstand hat noch Nachholbedarf. Grundsätzlich ist das den Verantwortlichen auch bewusst, allerdings gibt es bei der konkreten Umsetzung noch Optimierungspotenzial.

In einer Studie wollte die Zeitschrift Personalwirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Fürstenberg Institut, der ias-Gruppe und der Techniker Krankenkasse herausfinden, wie es konkret um das Betriebliche Gesundheitsmanagement in Deutschland bestellt ist. Dazu wurden in diesem Sommer 401 Entscheider aus mittelständischen und größeren Unternehmen befragt.

Wichtiges Thema

Gut 60 % der Befragten gaben an, dass sie das für ein wichtiges oder sehr wichtiges Thema halten und fühlen sich gut oder sehr gut informiert. Die wichtigsten Analysequellen sind dabei AU-Datenanalysen/Fehlzeitenberichte sowie Interviews/Mitarbeitergespräche und Mitarbeiterbefragungen. Am häufigsten eingesetzt werden Arbeitsschutzmaßnahmen, flexible Arbeitszeitmodelle, betriebliches Wiedereingliederungsmanagement sowie Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Zertifizierte Gesundheitsprogramme werden dagegen nur von 16 % angeboten – wenn es ein Budget für Gesundheitsmanagement gibt, sind es allerdings fast 41 %.

Viel wert ist Betriebliches Gesundheitsmanagement den meisten Firmen allerdings nicht: 44,4 % stellen keine personellen Ressourcen dafür ab, 27,2 % eine halbe Vollzeitstelle. Rund die Hälfte hat keine finanziellen Ressourcen dafür oder maximal 5.000 EUR. Über Gesundheitsmaßnahmen wird von 48 % der befragen Unternehmen im Rahmen von Kommunikations- und Marketingmaßnahmen informiert, 40 % haben Arbeitsgremien dafür eingesetzt. Für gut 40 % ist Gesundheit Teil der Personalentwicklung, für 27 % Teil der Organisationsentwicklung und knapp 30 % haben einen Prozess für die Planung und Umsetzung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement.

Drei Viertel der befragten Unternehmen wollen mit gesundheitsfördernden Maßnahmen die Arbeitszufriedenheit steigern bzw. das psychische und physische Befinden der Mitarbeiter verbessern. Konkrete Zielsetzungen haben allerdings nur knapp 43 % dafür.  Bei den Firmen, die für Betriebliches Gesundheitsmanagement ein Budget von mehr als 25.000 EUR einplanen, sind es allerdings 65 %. Beim Controlling setzen zwei Drittel auf die persönliche Rückmeldung der Mitarbeiter, gut die Hälfte misst den Erfolg der Maßnahmen an der Teilnahmequote oder einer geringeren Krankenquote. Die Mehrzahl ist mit dem Ergebnis der bisherigen Aktivitäten rund um das Thema Gesundheit zufrieden oder eher zufrieden, wobei der Grad der Zufriedenheit mit einem höheren Budget ansteigt.

Als wichtigste Hürden bei der Umsetzung werden von zwei Dritteln der Befragten begrenzte personelle Ressourcen oder finanzielle Mittel genannt. Unterstützung wird vor allem bei Krankenkassen oder betriebsärztlichen Diensten gesucht.

Fast alle Befragten glauben, dass die Führungskräfte eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements spielen, aber drei Viertel sehen die Verantwortung für ihre Gesundheit in erster Linie bei den Mitarbeitern selbst.

Fordern Sie die Studie kostenfrei an unter: presse(at)fuerstenberg-institut.de.

Interview mit Niels Gundermann, Fürstenberg Institut

Niels Gundermann ist Geschäftsführer des Fürstenberg Instituts und einer der Autoren der Studie „BGM im Mittelstand 2015  – Ziele, Instrumente und Erfolgsfaktoren für das Betriebliche Gesundheitsmanagement“. Im Gespräch mit Versicherungspraxis24 fasst er die wichtigsten Ergebnisse zusammen:

Niels Gundermann, GF Fürstenberg Institut

In Ihrer Studie haben Sie mittelständische Unternehmen nach deren Aktivitäten im Betrieblichen Gesundheitsmanagement gefragt – ist dabei zu erkennen, dass dieses Thema an Bedeutung auch im Mittelstand gewinnt?

Gundermann: Das Thema wird im Mittelstand immer präsenter. Die Bedeutung wird gesehen und der Wille ist da, BGM in zukünftige Prozesse zu integrieren, doch die Realität sieht oft anders aus. Man kann sagen, dass die Bedeutung und auch der Grad der Umsetzung von BGM mit steigender Unternehmensgröße zunimmt. Allerdings wird der Begriff „BGM“ häufig falsch verwendet. Die Palette dessen, was in den Unternehmen passiert, reicht von einzelnen Gesundheitsförderungsmaßnahmen („Obstkorb“ und „Rückenschule“) bis hin zu strukturierter Gesundheitsförderung („Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung“, Maßnahmenableitung usw.).

Ein tatsächlich funktionierendes, strukturiertes BGM ist jedoch mehr als eine Zusammenstellung von BGM-Maßnahmen ohne übergeordnetes, in der Unternehmenskultur nachhaltig verankertes und ganzheitlich gelebtes Gesundheitsverständnis und -bewusstsein. Das existiert aktuell noch in den wenigsten Fällen. Unternehmen befinden sich gerade an der Schwelle, wo sie langsam von der Einzelmaßnahmenorientierung wegkommen, hin zu einem Verständnis von BGM als ein Managementkonzept, was mit entsprechenden Strukturen und Prozessen hinterlegt und im Unternehmen verankert ist.

Klafft hier noch eine Lücke zwischen der grundsätzlichen Erkenntnis, dass BGM notwendig ist und der realen Umsetzung oder schließt sie sich allmählich?

Gundermann: Hier klafft noch eine Riesenlücke. Die Erkenntnis ist größtenteils da, die Umsetzungsrealität jedoch eher weniger: Die Chancen, die Gesundheitsmaßnahmen bieten, und die Notwendigkeit dazu sind den Unternehmen bewusst, jedoch ist ein Drittel der Befragten unzufrieden mit dem aktuellen Umsetzungsstand der Aktivitäten zum Thema Gesundheit. Wunsch und Wirklichkeit klaffen hier auseinander. Gesundheit wird im Mittelstand scheinbar eher auf der individuellen Ebene jedes einzelnen Mitarbeiters gesehen und noch wenig auf der strukturellen Ebene der Organisation.

Und wie sieht es auf der Führungsebene aus?

Gundermann: Kleine und mittlere Unternehmen messen den Themen Gesundheit, Mitarbeiterzufriedenheit und gesunde Führung einen immer höheren Stellenwert bei. Hierbei wird vor allem die Verknüpfung von Gesundheit zu Führungs- und Veränderungsthemen gesehen, aber auch das Thema Arbeitgeberattraktivität spielt eine große Rolle.

Bisweilen führen über die Hälfte der befragten mittelständischen Unternehmen Gesundheitsmaßnahmen durch – dies jedoch ohne konkrete Zielsetzung und strukturelle Rahmenbedingungen, obwohl es sich hierbei um maßgebliche Faktoren eines BGM handelt.

Was muss getan werden, damit betriebliches Gesundheitsmanagement wirksam im Unternehmen verankert wird?

Gundermann: Als größte Herausforderungen bei der Umsetzung eines (strategischen) BGM werden neben personellen und finanziellen Ressourcen vor allem auch das fehlende Commitment der Unternehmensleitung sowie Widerstände bei den Führungskräften gesehen. Es gilt also, Überzeugungsarbeit zu leisten: bei der Unternehmensleitung durch Kennzahlen oder Nachweisbarkeit und bei den Führungskräften durch den Mehrwert, den ein BGM mit sich bringt.

Ein BGM muss von den Entscheidern konsequent gestaltet und getragen werden. Es sollten klare Ziele definiert werden, die schließlich gemeinsam mit den Führungskräften in konkrete BGM-Maßnahmen ausformuliert und umgesetzt werden. Die Erarbeitung grundlegender Prozesse und Strukturen bildet die Basis des Ganzen.

Wie sieht es konkret in der Versicherungswirtschaft aus, die ja dieses Thema gerne bei der Ansprache ihrer gewerblichen Kunden nutzt – setzen die Versicherer es auch im eigenen Haus um?

Gundermann: Grundsätzlich zeigt sich in der Versicherungswirtschaft das gleiche Bild wie auch in anderen Branchen: Je größer das Unternehmen, desto mehr wird in ein BGM investiert. Bei den größeren Versicherungen wird BGM mittlerweile ganz selbstverständlich und strategisch umgesetzt, bei kleineren und mittelständisch geprägten Unternehmen eher weniger. Auch wenn man davon ausgehen kann, dass Versicherer sensibilisiert sind für das allgemeine Thema Vorsorge/Prävention und ein besseres Verständnis dafür haben, ist dieser Wissensvorteil in den Handlungen häufig wenig zu erkennen.

Autor: von Susanne Görsdorf-Kegel, freie Journalistin und Autorin  / Foto: © Fürstenberg Institut