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Top-Thema 15 / 2012

Wie das Handwerk Fachkräfte finden und binden kann

Mitarbeiter sind die wertvollste Ressource eines Unternehmens. Was abgedroschen klingen mag, ist heute aktueller denn je. Denn die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern wird zunehmend schwieriger. Handwerksbetriebe stehen dabei vor besonderen Herausforderungen, die nun in der Studie "Arbeitszufriedenheit und Mitarbeiterbindung im Handwerk" genauer untersucht wurden.

Schreiner an Sägemaschine.Demografischer Wandel und Abwanderung

Handwerksbetriebe, die nach Gutsherrenart geführt werden, sterben früher oder später aus. Und das aus gutem Grund: Zum einen sorgt der demografische Wandel dafür, dass der Wettbewerb um Nachwuchskräfte immer härter wird. Zum anderen haben viele Chefs erkannt, dass zufriedene und motivierte Mitarbeiter das beste Aushängeschild für das eigene Unternehmen sind. Das Ludwig-Fröhler-Institut hat analysiert, auf welche Zukunftsaufgaben sich die Personalarbeit im Handwerk einstellen muss - und wie man sie lösen kann.

Auf den ersten Blick scheint die Situation nicht dramatisch. Studienautor Maximilian Wolf zufolge würden Handwerksbetriebe weit über den eigenen Bedarf hinaus ausbilden. Trotzdem hat eine Studie des Zentralverbands des deutschen Handwerks aus dem Jahr 2011 ergeben, dass "18,8 Prozent der personalsuchenden Handwerksbetriebe offene Stellen für Handwerksmeister" hätten besetzen wollen. Ganze 84,6 Prozent der Betriebe suchten nach Auszubildenden.

Ein Grund für die schwieriger werdende Besetzung von offenen Stellen ist der vielbeschriebene demografische Wandel, der zu einer "Überalterung" der Gesellschaft führt. Damit haben andere Branchen zwar auch zu kämpfen. Im Handwerk kommt jedoch eine signifikante Abwanderung vor allem von frisch ausgebildeten Arbeitnehmern in andere Wirtschaftszweige verstärkend hinzu. Bereits 2006 war lediglich noch ein Drittel der in Handwerksbetrieben ausgebildeten Fachkräfte auch in dieser Branche tätig. Sieben Jahre vorher war es noch etwa die Hälfte gewesen.

Was ist den Mitarbeitern im Handwerk wichtig?

Die zentrale Frage für die Unternehmer wird künftig also sein, wie man qualifizierte Mitarbeiter gewinnt und langfristig an sich binden kann. In puncto Arbeitszufriedenheit kann das Handwerk vor allem durch das meist gute Verhältnis zwischen Chef und Angestellten sowie dem Abwechslungsreichtum der Tätigkeiten punkten. Das Einstiegsgehalt, das Verhältnis zu den Kollegen sowie mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten schlugen bei der Befragung negativ zu Buche. Vor allem die finanziellen Aspekte spielen bei den meisten Handwerkern jedoch nicht die wichtigste Rolle und entscheiden in der Regel nicht über den Weggang oder den Verbleib im Betrieb.

Ein differenzierteres Bild zeigt sich bei den Arbeitsbedingungen und den beruflichen Perspektiven. Flache Hierarchien und transparente Strukturen können einen positiven Einfluss auf die Karriereentscheidungen der Fachkräfte haben. Zwei Ergebnisse der Studie erstaunen dagegen. Sowohl eine wachsende "selbstbestimmte Arbeitsorganisation" als auch eine bessere Einschätzung der Weiterbildungsmöglichkeiten führen tendenziell eher zur Abwanderung in andere Branchen. Erklärungen dafür könnten eine Überforderung nach Abschluss der Ausbildung und oftmals unsystematische Weiterbildungsmaßnahmen im Handwerk sein.

Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung

Was bedeuten diese Ergebnisse nun konkret für die Leiter von Handwerksbetrieben? Die Studie führt dazu zahlreiche Ansatzpunkte auf. So sollten sich die Betriebe vor allem auf die wichtigeren, die "nicht-monetären" Entscheidungsfaktoren konzentrieren. Das frühzeitige Aufzeigen von Aufstiegsmöglichkeiten, das Erstellen von Karriereplänen und regelmäßige Mitarbeitergespräche seien einige erfolgversprechende Maßnahmen.

Um einer eventuellen Überforderung entgegenzuwirken, könne es beispielsweise zudem hilfreich sein, jungen Kräften auch noch nach der Ausbildung erfahrenere Mitarbeiter zur Seite zu stellen. Bezüglich der Weiterbildung sieht die Studie unter anderem Optimierungspotenzial bei der umfassenden Information. Hier könnten beispielsweise auch Institutionen wie die Handwerkskammern oder die Innungsfachverbände unterstützend tätig werden.

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