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Top-Thema 4/2013

Ausbildungsabbrüche: Was Arbeitgeber dagegen unternehmen können

Lag die Quote der vorzeitig aufgelösten Ausbildungsverträge im vergangenen Jahrzehnt noch bei durchschnittlich rund 20 Prozent, stieg sie nach Angaben des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) 2011 auf mittlerweile 24,4 Prozent. Ein Ausbildungsabbruch hat sowohl für den Arbeitgeber als auch für den Auszubildenden negative Konsequenzen, die oftmals vermeidbar wären.

Zettel mit Fragezeichen und AusrufezeichenFür einen Ausbildungsabbruch kann es viele Gründe geben
Um sinnvoll gegensteuern zu können, müssen sich Unternehmen zunächst über die Gründe eines Abbruchs informieren. So gab rund ein Drittel der Azubis noch während der Probezeit auf, berichtet das IW. Dies deute darauf hin, dass viele Auszubildende mit falschen Erwartungen in ihren Ausbildungsberuf starten. Darüber hinaus gibt es mehr offene Ausbildungsplätze als Bewerber. Die Folge: Unternehmen gehen vermehrt dazu über, auch Kandidaten mit fachlichen Defiziten einzustellen, die sie dann mit Unterstützungsangeboten auszugleichen versuchen.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) weist jedoch auch darauf hin, dass die Gründe für einen Ausbildungsabbruch vielschichtiger sein können. So führten oftmals auch Konflikte zwischen Ausbildern und Auszubildenden dazu, dass Ausbildungsverträge aufgelöst werden. Außerdem bedeutet ein Abbruch nicht unbedingt einen Ausstieg aus der Bildungsbeteiligung. Viele der Abbrecher nehmen eine neue Lehre in einem anderen Beruf oder Betrieb auf.

Modellprojekt mit Mediatoren
Trotzdem glaubt beispielsweise Hans Heinrich Driftmann, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, dass die Quote "deutlich geringer sein könnte". Viele Experten sind sich einig, dass Betriebe meist erst dann externe Hilfen in Anspruch nehmen, wenn es schon fast zu spät ist. Mittlerweile haben sich viele Angebote etabliert, die dabei helfen, die Weichen frühzeitig in die richtige Richtung zu stellen.

Der "Senior Experten Service" (SES) in Bonn ist beispielsweise mit der Initiative "VerA" aktiv. Die Abkürzung steht für "Verhinderung von Abbrüchen und Stärkung Jugendlicher in der Berufsausbildung durch SES-Ausbildungsbegleiter". Bundesweit stehen über 1.000 ehrenamtliche Experten zur Verfügung, die sich regelmäßig in "festen Tandems" mit "ihrem" Auszubildenden austauschen und ihm individuell und beratend zur Seite stehen. Die "VerA"-Leistungen können kostenfrei in Anspruch genommen werden.

Eine Alternative ist das im August 2012 gestartete Modellprojekt "Abbruch vermeiden - Ausbildung begleiten" der IHK Stuttgart. Das Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass sowohl 60 Prozent der Ausbilder als auch der Auszubildenden, die aufgegeben haben, im Nachhinein urteilen, dass der Ausbildungsabbruch vermeidbar gewesen wäre. Die Ausbildungsbegleiter der Stuttgarter IHK stehen als neutrale und externe Ansprechpartner zur Verfügung und vermitteln auch zwischen Betrieb und Azubi. Darüber hinaus wird Unternehmen beispielsweise bei der Entwicklung von Präventionsstrategien unter die Arme gegriffen, während die Jugendlichen unter anderem von der Organisation zusätzlicher Betreuungsangebote profitieren.

Hilfe zur Selbsthilfe
Unternehmen oder Auszubildende, die die Inanspruchnahme von externer Hilfe scheuen, können selbst ebenfalls viel dazu beitragen, dass die Ausbildung zu einem guten Ende gebracht wird. Die Handwerkskammer Aachen beispielsweise erinnert daran, dass an erster Stelle die Kommunikation stehen sollte. Regelmäßige Gespräche, frühzeitig vereinbart und nicht zwischen "Tür und Angel" geführt, helfen dabei, Missverständnisse gar nicht erst entstehen zu lassen.

Dem Bundesbildungsministerium zufolge helfe außerdem eine individuelle Berufsberatung für Jugendliche, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden. Die Weiterbildung von Lehrkräften und Ausbildern sollte in jedem ausbildenden Unternehmen auf der Tagesordnung stehen. Allergietests können ebenfalls sinnvoll sein: Schätzungen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege zufolge gehen jährlich rund 30.000 Ausbildungsabbrüche auf gesundheitliche Gründe zurück.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Autor: David Schahinian
Bildrechte: © Stauke - Fotolia.com